Besser Fotografieren: MountainBIKE erklärt die Begriffe Blende, Belichtungszeit, ISO-Werte

Fotografie-Basics: Blende, Belichtungszeit, ISO - MountainBIKE erklärt die Zusammenhänge

Foto-Tipps für Biker: MountainBIKE erklärt die grundlegenden Zusammenhänge beim Fotografieren - und die dabei auftretenden Fachbegriffe wie Blende, Belichtungszeit oder ISO-Werte. Das Ziel: perfekte Bilder.

„Photographie“ oder neudeutsch „Fotografie“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie „mit Licht malen oder schreiben“. Die digitale Revolution begann etwa um die Jahrtausendwende und hat die analoge Fotografie fast komplett verdrängt. Heute nennt fast jeder eine Digicam sein Eigen.

Die Bandbreite ist riesig und reicht von der ins Handy integrierten Minicam und der 99-Euro-Kompaktkamera aus dem E-Supermarkt bis zur Vollformat-Spiegelreflex für unter 2000 Euro und endet bei der Mittelformat-Hasselblad für 30.000 Euro und der historischen Leica für 2,1 Millionen Euro.

Kamera an, visieren, abdrücken, fertig! Der Großteil aller Fotografien sind heute Schnappschüsse oder Knipsereien via Automatikprogramm. Wer aber das kreative Potenzial seiner Kamera ausnutzen will, muss einige Basics verstehen:

Die Blendenöffnung

Die Blendenöffnung (oder kurz „Blende“ genannt) ist sozusagen das Loch im Objektiv, durch welches das Licht auf den Sensor fällt. Diese Öffnung ist in der Größe verstellbar. Je größer die Blendenöffnung, desto mehr Licht fällt herein, je kleiner die Blende, desto weniger Licht steht zur Verfügung. Die Größe der Blende wird durch Lamellen eingestellt und durch Zahlen gekennzeichnet. Diese Zahlen, auch „Blendenstufen“ genannt, sind: 1 – 1,4 – 2 – 2,8 – 4 – 5,6 – 8 – 11 – 16 – 22 – 32.

Achtung: je kleiner die Zahl, desto größer die Blende! Wenn man „aufblendet“, also die Blende von einer Stufe zur nächsten öffnet (z. B. von 5,6 auf 4), verdoppelt sich die Lichtmenge auf dem Sensor. Wenn man eine Blendenstufe „abblendet“ (z. B. von 2,8 auf 4), verringert sich die Lichtmenge, die durchgelassen wird, um die Hälfte. Wie sich große oder kleine Blenden auf das Bildergebnis auswirken, sehen Sie im Kasten rechts oben.

Die Belichtungszeit

Bei digitalen Spiegelreflexkameras liegt direkt vor dem Sensor ein Verschlussvorhang. Drückt man auf den Auslöser, öffnet sich dieser Vorhang für eine bestimmte Zeit. Die Zeit, in der Licht durch Blende und geöffneten Verschlussvorhang fällt, nennt man „Verschlusszeit“. Übliche Verschlusszeiten sind: 1 sec – 1/2 sec – 1/4 sec – 1/8 sec – 1/15 sec – 1/30 sec – 1/60 sec – 1/125 sec – 1/250 sec – 1/500 sec – 1/1000 sec – 1/2000 sec – 1/4000 sec. Je länger der Verschluss offen ist, desto mehr Licht fällt auf den Sensor.

Je kürzer die Zeit, desto weniger. Analog zur Blende bedeutet eine Verlängerung der Verschlusszeit um eine Stufe (z. B. von 1/2 Sekunde auf 1 Sekunde) eine Verdoppelung der Lichtmenge. Verkürzt man die Verschlusszeit (z. B. von 1/250 Sekunde auf 1/500 Sekunde), halbiert sich die Lichtmenge, die auf den Sensor fällt. Wie sich eine schnelle oder langsame Belichtungszeit auf das Bildergebnis auswirkt, sehen Sie im Kasten links oben.

Blende und Belichtungszeit

Wie viel Licht auf den Sensor trifft, wird von der Kombination aus Blendenöffnung und Verschlusszeit bestimmt. Je offener die Blende, desto kürzer kann die Zeit sein, in der der Verschluss Licht für eine korrekte Belichtung durchlässt. Umgekehrt erfordert eine kleine Blende eine lange Verschlusszeit. Die gleiche Belichtung lässt sich mit vielen gleichwertigen Blenden-Zeit-Kombinationen erzielen. Beispiel: Blende 2,8 und 1/1000 sec führt zur gleichen Belichtung wie Blende 4 und 1/500 sec, Blende 5,6 und 1/250 sec usw.

Die Aufnahmemodi

Eine Kamera besitzt meist verschiedene Aufnahmemodi: Programmautomatik „P“ (die Kamera stellt Blende und Verschlusszeit automatisch ein), Verschlusszeitautomatik „Av“(„Aperture Value“; die Blende wird vom Fotografen vorgewählt, die Kamera kümmert sich um die Verschlusszeit), Blendenautomatik „Tv“ („Time Value“; die Verschlusszeit wird vorgewählt, die Kamera kümmert sich um die Blende) und manueller Modus „M“ (man stellt meist mithilfe einer Lichtwaage Blende und Verschlusszeit ein).

Aber welchen Aufnahmemodus wählen? Das hängt von Situation und kreativen Zielen ab: Wenn es blitzschnell gehen muss, schaltet man auf Programmautomatik. Kreativ arbeitet man nur in Av, Tv und M. Geht es um maximale Schärfentiefe oder um das Freistellen des Bikers aus dem Hintergrund, wählt man in Av eine möglichst kleine bzw. große Blende vor. Will man den vorbeifahrenden Biker knackscharf ablichten oder durch einen Mitzieher Dynamik vermitteln, wählt man in Tv eine kurze bzw. lange Verschlusszeit. M ist der Profi-only-Modus.

Empfindlichkeit ISO – die dritte Stellgröße

Die perfekte Belichtung des Bildes hängt von der korrekten Kombination von Blendenöffnung und Verschlusszeit ab – und von der Empfindlichkeit des Films (analoge Fotografie) oder Sensors (digitale Fotografie). Bei digitalen Kameras lässt sich die Empfindlichkeit schnell und einfach verstellen. Die Empfindlichkeit wird meist in ISO angegeben.

Genau wie bei Blende und Zeit verdoppelt bzw. halbiert sich die Empfindlichkeit von einer zur nächsten Empfindlichkeitsstufe. Empfindlichkeiten sind: 50, 100, 200, 400, 800, usw. Da die neuen Digitalen immer später zu rauschen beginnen (Rauschen ist das, was früher die Körnigkeit des Films war), kann man ISO neben Blende und Zeit als dritte Stellgröße nutzen – für mehr Kreativität!

15.05.2013
Autor: Andreas Kern
© MOUNTAINBIKE
Ausgabe 03/2013