Im Test: 6 E-Enduros

E-Mountainbikes im Test: Sechs E-Enduros um 5500 Euro im Test


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E-MOUNTAINBIKE 0817 E-Enduros Teaser
Foto: Axel Brunst

 

E-MOUNTAINBIKE Cannondale Moterra LT 1
Foto: Axel Brunst

 

E-MOUNTAINBIKE Cannondale Moterra LT 1 Flaschenhalter
Foto: Axel Brunst

 

E-MOUNTAINBIKE Cannondale Moterra LT 1 Gummilasche am Akku
Foto: Axel Brunst

 

E-MOUNTAINBIKE Flyer Uproc 7 4.10
Foto: Axel Brunst
Vollgas bergab und vollgas wieder bergauf – das ist es, was E-Enduros auszeichnet. Wir haben sechs langhubige E-Bikes ab 150 mm Federweg zu Preisen um 5500 Euro in Labor und Praxis getestet.
Zu den getesteten Produkten

Das Testfeld im Überblick

Hersteller und Modell / Link zum Testbericht Preis Testurteil
Cannondale Moterra LT 1 (2017) 6299 Euro Überragend
Merida E-One-Sixty 900 E (2017) 5499 Euro Überragend
Flyer Uproc 7 4.10 (2017) 4699 Euro Sehr gut
Haibike Sduro Nduro 8.0 (2017) 5999 Euro Sehr gut
Stevens E-Sledge+ ES (2017) 5599 Euro Sehr gut
Trek Powerfly 8 LT Plus (2017) 5099 Euro Gut

kurz & knapp:

  • E-MTBs besitzen einen Elektromotor, der beim Pedalieren bis zu einer Geschwindigkeit von 25 km/h unterstützt.
  • In diesem Test befinden sich E-Enduros mit Mittelmotor. Je nach Hersteller bieten die Fahrwerke zwischen 150 und 180 mm Federweg, sie sind somit auch fürs grobe Gelände geeignet.
  • E-Enduros sind perfekt für den Trail-Einsatz bergauf wie bergab. Sogar in Bikeparks fühlen sich die potenten Bikes zu Hause.
  • Die Laufraddimensionen variieren je nach Konzept des Herstellers zwischen 27,5 Zoll und 27,5 Plus.

E-Enduros sind laut Insidern die neue aufstrebende Kategorie am E-MTB-Markt. Sie bieten bergab ordentlich Federweg, während bergauf das Mehrgewicht dank Motor keine Rolle spielt.

Wichtig bei dieser E-Mountainbike-Gattung ist jedoch, dass diese E-MTBs sowohl im Up- als auch im Downhill eine gute Figur machen. Dabei profitieren E-Enduros extrem von der Entwicklung im Enduro-Sport der letzten Jahre. Antriebsneutrale Federungen, effiziente Sitzpositionen und Geometrien, die eben dieses so entscheidende Bergauf- und Bergab-Spiel perfekt beherrschen.

Doch für die Hersteller existiert bei diesen Punkten ein großes Hindernis am E-Enduro: der E-Motor. Dieser muss so geschickt platziert werden, dass er Kinematik und Geometrie nicht (zu) negativ beeinflusst.

Sechs faszinierende E-Enduros im Test

Um die Herausforderungen zu meistern, setzen die Hersteller auf ganz unterschiedliche Konzepte. Immer mehr verbauen den kleinen, leichten Shimano-Motor Steps E8000. Aber auch E-MTBs mit Boschs bewährtem Performance-CX-Motor sind im Testfeld weit vorne vertreten.

Bei der Suche nach E-Mountainbikes für diesen Vergleichstest legten wir fest, dass die E-Enduros ab 150 mm Federweg bieten sollen und um 5500 Euro kosten dürfen. Dass es zurzeit sehr schwer ist, den Herstellern die begehrten E-Bikes abzuringen, war auch bei diesem Test wieder deutlich spürbar. Ob E-Experience-Camps in den Alpen, leere Lager oder Händlerschulungen – E-Bikes sind dieser Tage rar.

Dennoch haben wir ein kleines, aber feines Testfeld zusammenbekommen, das eindrücklich aufzeigt, was aktuell an E-Enduro-Technik möglich ist.

Mit von der Partie sind das eigenständige Cannondale Moterra LT 1 mit Bosch-Motor, das innovative Flyer Uproc 7 4.10 mit Panasonic-Motor und 2-Gang-Getriebe, das Haibike Sduro Nduro 8.0 mit Yamaha-Antrieb sowie die beiden Shimanobetriebenen E-Bikes Merida E-One-Sixty 900 E und Stevens E-Sledge+ ES und schließlich das Trek Powerfly 8 LT Plus mit Bosch-Motor.

Spannende E-Mountainbikes, spannende Technik, spannendes Ergebnis mit hauchdünnem Ausgang!

So testen wir E-Mountainbikes

Um einen aussagekräftigen Vergleichstest mit E-MTBs durchzuführen, braucht es viel Zeit und Erfahrung. Erfahrungen in puncto Praxistest und Geometrievermessung und Bewertung kann die Redaktion vorweisen. Für die Analyse der Motoreigenschaften wie etwa Leistung und Reichweite haben wir uns Unterstützung von der Firma e-Checker geholt. Hier der Testablauf im Detail.

1. Reichweite der E-MTBs

Ein reproduzierbarer Test der Reichweite ist nur unter Laborbedingungen möglich. Bei Messfahrten im Gelände sind äußere Einflüsse wie Außentemperatur, Windsituation, wechselnde Untergrundbeschaffenheit (nasser Boden) und die Kraftzugabe des Fahrers selten konstant.

Sprich: Im Zweifelsfall kommt eine erneute Messung nicht auf den exakt gleichen Wert. Deswegen entschieden wir uns für eine Kooperation mit dem Prüflabor e-Checker, in dem die E-Bikes auf einem Spezialprüfstand ein immer gleiches Programm durchlaufen.

Ein Motor beschleunigt den Kurbelarm, gegen das Hinterrad drückt eine Rolle, ähnlich wie bei einem Rollen-Hometrainer. Über die Rolle kann der Widerstand reguliert werden, das Fahrergewicht wird mit 80 kg berücksichtigt. Zwischen Akku und Motor wird eine Messschnittstelle installiert. Sie misst, wie viel Strom der Motor verbraucht. Die Messfahrt dauert nur einige Minuten. Durch die gesammelten Daten kann die Reichweite errechnet werden. Unser Testprogramm beinhaltet drei Fahrsituationen.

1. Trail: Das Bike wird auf 20 km/h beschleunigt. Um einen kurvigen Trail zu simulieren, wird das Bike 5 Mal auf 10 km/h abgebremst und dann wieder beschleunigt. Die 1,25 km lange, ebene Wegstrecke steigt am Ende 2,5 % an.

2. Tour: Auf einer Strecke von 2 km wird zwischen 23 und 20 km/h gefahren. Hinzu kommen drei kurze Anstiege von 2,5 %. Zum Schluss muss der Motor einen Berg mit 10 % Steigung bezwingen, hier wird mit maximal 15 km/h gefahren.

Alle Werte fließen mit in die Endnote ein. Im Detail findest du die Reichweite in den jeweiligen Testberichten zu den E-Enduros im Test. Dadurch, dass der Prüfaufbau nicht jegliche Fahrsituationen in der Praxis abdecken kann, kann es sein, dass die Labormessungen von der tatsächlichen Reichweite abweichen.

2. Motorleistung der E-MTBs

Ein weiterer Test misst die Motorleistung. Bei einer Bergfahrt mit variabler Steigung bis zu 15 % wird ermittelt, wie viel Drehmoment der Motor maximal im kleinsten Gang am Hinterrad aufbringen kann. Die Werte liegen unter den angegebenen Drehmomenten der Hersteller, da diese das am Motor zur Verfügung stehende Moment angeben. Bis zum Reifen kommt es jedoch zu Verlusten. Die Angabe in Newtonmeter fließt ins Endergebnis ein. Alle Werte findest du in den Testberichten.

3. Schwerpunkt und Gewichtsverteilung

Im hauseigenen Labor wird die Gewichtsverteilung auf Vorder- und Hinterrad der E-Mountainbikes gemessen sowie die Höhe des Schwerpunkts ermittelt. Über eine einfache Messung und anschließende Berechnung kann die Verteilung in Prozent gezeigt werden. Zudem wird ermittelt, wie hoch der Schwerpunkt liegt. Diese Werte fließen nicht direkt ins Ergebnis ein, sondern dienen den Testfahrern als Korrespondenzwert.

Warum diese Werte beim Test von E-MTBs wichtig sind? E-Bikes wiegen über 20 kg, dadurch wird das Fahrverhalten deutlich beeinflusst. Ein hoher Schwerpunkt wirkt sich spürbar negativ auf die Wendigkeit des Bikes aus. Je tiefer der Schwerpunkt, desto besser lässt sich ein Bike in Kurven legen. Die Verteilung vom Gewicht auf Vorder- und Hinterrad gibt zudem zusätzlich Hinweise darauf, ob das E-Mountainbike eher front- oder hecklastig steuert. Die aufgenommenen Werte in Prozent und Millimeter findest du in den Testberichten.

 

E-MOUNTAINBIKE 0817 E-Enduros Gewichtsverteilung
Foto: E-MOUNTAINBIKE Je höher das Gewicht eines Bikes, umso wichtiger wird die Lage des Schwerpunkts. Schon eine leichte Verschiebung beeinflusst das Fahrverhalten spürbar.

4. Gewichte, Geometrien und Ausstattung

Wie üblich in einem Vergleichstest von E-MOUNTAINBIKE werden die Geometrien in einem digitalen Vermessungsprüfstand ermittelt. Die Werte in den Geometrietabellen sind also tatsächliche Daten und keine Herstellerangaben. Zudem notierte unser Laborleiter Haider Knall die Ausstattung und ermittelte Gewichte von Komplettbike, Akku und Laufrädern. Alle Angaben befinden sich in den Testberichten zu den jeweiligen E-Enduros in diesem Test.

5. Praxistest

Wichtigster Bestandteil eines jeden Biketests ist der Praxistest. Es fuhren drei Tester unterschiedlicher Fitnesslevels und Vorlieben (Tourenfahrer, Endurist und Freerider) die sechs Bikes. Die Teststrecke beinhaltet steile Anstiege, ebene Forststraßen sowie kurvige Singletrails mit steilen Abfahrten, Anliegerkurven bis hin zu kleineren Drops und Sprüngen. Nach jeder Fahrt notierte jeder Fahrer seine Eindrücke und benotete Einzelpunkte wie etwa Geometrie, Hinterbau oder den Antrieb.

Alle Noten und Werte aus den zuvor beschriebenen Testverfahren wurden anschließend in einer Excel-Tabelle zusammengeführt und dem Einsatzbereich eines E-MTBs entsprechend gewichtet. Aus ihnen resultieren die Endnoten und somit auch das Testergebnis.

Punkteverteilung und Wertung

Anhand einer Auswertungstabelle wird die Punktezahl für jedes Bike errechnet und somit die Endnote bestimmt. Die Punkte erlauben eine feine Unterscheidung in der Beurteilung etwa zwischen zwei Bikes, die beide im „sehr gut“ liegen, aber dennoch nicht auf demselben Niveau abschneiden.

 

E-MOUNTAINBIKE 0817 E-Enduros Punkteverteilung und Wertung
Foto: E-MOUNTAINBIKE Der Notenschlüssel zeigt, wie weit entfernt oder nah das Produkt an der nächsten Note liegt.

13.08.2017
Autor: Chris Pauls
© E-MOUNTAINBIKE
Ausgabe 08/2017