E-MTB-Fahrtechnik - Profi-Tipps von Stefan Schlie

E-MTB-Fahrtechnik: Die besten Tipps für E-Mountainbike-Neulinge von Stefan Schlie


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E-MTB-Fahrtechnik-Training mit Stefan Schlie
Foto: Dennis Stratmann

 

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E-MTB-Fahrtechnik-Training mit Stefan Schlie
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Wer Fahrradfahren kann, der kann auch E-Biken – dass das Ganze im Gelände nicht so einfach ist, weiß keiner besser als Fahrtechnik-Profi Stefan Schlie. Wir haben beim Testival in Brixen ein E-MTB-Fahrtechnik-Training bei ihm absolviert und verraten euch seine besten E-MTB-Tricks.

Blutige E-Mountainbike-Anfänger setzen sich auf ein E-MTB und fahren blauäugig den Berg hinauf. Oben angekommen gönnen sie sich auf der Hütte zwei Weißbier, um dann mit dem E-Mountainbike, das sie nicht beherrschen, halsbrecherisch eine Trail runter zu jagen. So malt sich Stefan Schlie sein persönliches Horror-Szenario aus.

Damit es erst gar nicht so weit kommt, bietet der Trial-Profi und Fahrtechnik-Experte zusammen mit Bosch spezielle E-Mountainbike-Fahrtechnik-Seminare an. Egal ob Pedal-Management, richtiges Bremsen oder Kurventechnik: Beim E-Mountainbiken können sowohl Neulinge als auch passionierte Mountainbiker einiges dazu lernen.

 

E-MTB-Fahrtechnik-Training mit Stefan Schlie
Foto: Dennis Stratmann Bis zu 300 Prozent mehr Power zusätzlich zur Eigenkraft, bietet der Bosch Performance Line CX-Antrieb im Turbo-Modus.

Drei Faktoren machen den Unterschied

Dank des Elektroantriebs steht E-Bikern bis zu 300 Prozent mehr Kraft zusätzlich zu ihrer eigenen Beinkraft zur Verfügung. Daraus resultiert mehr Schwung, der so genannten Boost-Faktor. Hinzu kommt das deutlich höhere Gewicht eines E-Mountainbikes, das vor allem bergab eine ausgefeiltere Fahrtechnik erfordert. In seinen Fahrtechnik-Kursen zeigt Stefan Schlie die besten Tricks, um diese Besonderheiten richtig zu meistern.

Das Einmaleins der E-Mountainbike-Fahrtechnik

Wie das traditionelle Mountainbiken erfordert auch das E-MTB-Fahren gewisse Grundkenntnisse:

 

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Pedal-Management

Jeder sollte seinen starken Fuß kennen. Das ist wichtig, um bergauf Hindernisse und Kurven mit dem E-MTB meistern zu können - denn die Antriebsunterstützung endet, sobald man nicht mehr in die Pedale tritt. Zu allererst gilt es deshalb herauszufinden, welcher der „gute“ und welcher der „schlechte“ Fuß ist. Dazu lässt Stefan Schlie die Teilnehmer des E-MTB-Fahrtrainings im Kreis rollen. Unbewusst stellen die Bikerinnen und Biker ihren starken Fuß nach vorne.

 

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Der richtige Gang

Um E-MTB-Fahrtechnik zu üben, rät Stefan Schlie einen Gang zu wählen, bei dem mit einer halben Pedalumdrehung eine Fahrradlänge zurückgelegt wird. Ein Fixpunkt am Boden hilft den E-Bike-Fahrtrainings-Teilnehmern den richtigen Gang zu finden.

Sitzposition

Die Sattelstütze zirka zwei Finger breit tiefer einstellen als gewöhnlich – damit bietet das E-MTB mehr Flexibilität auf dem Trail. Die Sattelspitze sollte leicht nach unten zeigen – das sorgt für eine steifere Sitzposition in steilen Anstiegen. Noch besser ist ein Sattel, der hinten leicht erhöht ist, das gibt mehr Halt in steilem Uphill-Gelände.

 

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Foto: Dennis Stratmann

Bergauf-Bremser

In die Pedale treten und gleichzeitig die Bremse ziehen – das klingt im ersten Moment widersprüchlich, ist aber eine Technik aus dem Kartsport. Mit der so genannten „Brake-Move-Control“ wird die Geschwindigkeit mit der Bremse so dosiert, dass der Schub des Motors auch in steilen Passagen nicht verloren geht, das Hinterrad aber trotzdem nicht durchdreht.

Anfahren am Berg

„Das ist sowieso immer schwierig. Die meisten Biker machen den Fehler, dass sie sich mit dem Bergfuß abstützen, um dann in einer ungünstigen Pedalstellung wieder aufs Pedal zu kommen“, weiß Stefan Schlie. Weitere Fehler bei vielen: kleinster Gang plus Turbomodus.

 

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Richtig geht´s aber so: Einen niedrigen Gang und Unterstützungsstufe einlegen, Bremse ziehen, Pedale parallel, Füße aufs Pedal, kurz ins Gleichgewicht kommen und erst dann losfahren.

Stefan Schlie erklärt es hier im Video:

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Video: Clemens Hirschfeld

Uphill-Wheely

Um bis zu 75 Newtonmeter Drehmoment am Hinterrad bändigen zu können, unterscheidet sich die Körperhaltung beim Bergauffahren deutlich vom normalen Mountainbiken. Letztere wählen normalerweise den kleinsten Gang, verlagern den Oberkörper über den Lenker und treten im Sinus in die Pedale. E-MTB-Fahrer müssen aber möglichst viel Druck auf das Hinterrad bringen um die Motorkraft auch in Vortrieb umzusetzen. Deshalb sitzen E-Biker fast schon komfortabel auf dem Fahrrad. Der Oberkörper ist aufrecht, die Arme durchgestreckt. Der Schwerpunkt verlagert sich in Richtung der Hinterachse. Das Vorderrad wird dabei sehr leicht – so dass es kurz davor ist abzuheben.

 

E-MTB-Fahrtechnik-Training mit Stefan Schlie
Foto: Dennis Stratmann

Im Kurs fahren die Teilnehmer mehrmals einen steilen Anstieg hinauf. Dabei probieren sie verschiedene Gänge und Unterstützungsstufen aus. „So bekommt man spielerisch ein Gefühl dafür, welcher Gang in welcher Situation am effizientesten ist“, erklärt Stefan Schlie.

Enge Kurven bergauf richtig nehmen

Bergauf macht sich das Mehrgewicht der E-MTBs kaum bemerkbar. Umso wichtiger ist, richtiges Pedal-Management schon bei der Anfahrt einer Spitzkehre. Dabei ist der „schlechte“ Fuß im Scheitelpunkt der Kurve vorne. Nur so ist gewährleistet, dass der „gute“ Fuß beim Beschleunigen am Kurvenausgang wieder vorne ist. Der Körperschwerpunk liegt dabei im Kurvenäußeren und das E-MTB wird leicht in die Kurve gedrückt. Zur besseren Kontrolle der Motorleistung in besonders engen Passagen in die gezogene Bremse treten.

 

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Foto: Dennis Stratmann

Enge Kurven bergab

Bergab-Spitzkehren lassen sich oft nur flüssig meistern, indem man das Hinterrad umsetzt. Am Lenker drücken oder den Pedalen ziehen, um ein E-MTB um die Kurve zu kriegen, reicht meist aber nicht aus. Schlies Tipp: „Das Pedal entlasten, sich selbst möglichst leicht machen, damit man den Lenker nur noch nach vorne führen muss.“

Im Video erklärt Stefan Schlie, wie man Spitzkehren bergab richtig fährt:

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Video: Clemens Hirschfeld

E-MTB-Fahreigenschaften im Trail

Ein E-Fully verhält sich bei gleichem Federweg ähnlich wie ein normales Mountainbike. Allerdings sorgt das schwere E-MTB mit seinem tiefen Schwerpunkt für eine sattere Trail-Lage, rollt souveräner über Wurzelteppiche. Wegen des Mehrgewichts bekommt man Bremskräfte besser auf den Boden. „Mittlerweile fahre ich sogar viele meiner Lieblings-Trail lieber mit dem E-Mountainbike“, erzählt Schlie.

 

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Foto: Dennis Stratmann

Mit diesen Tipps und Tricks seid ihr bestens gerüstet für eure erste E-MTB-Tour. Trotzdem raten wir allen Ein- oder Umsteiger Fahrtechnik-Kurs zu belegen. Und natürlich heißt es: fahren, fahren, fahren – denn nur üben übt!

01.10.2016
Autor: Clemens Hirschfeld
© E-MOUNTAINBIKE